Länderinfos

Landkarte Baltische Staaten © Shutterstock/Victor Maschek

Estland, Lettland und Litauen sind nicht nur das "Baltikum". Jedes der Länder bietet eine erstklassige Investitionsplattform mit hoch entwickelten Industrien und Technologien.

Estland überzeugt vor allem durch einfache Prozeduren des Markteinstiegs. Insbesondere die einfache Online-Unternehmensgründung und die elektronische Staatsbürgerschaft (E-Residency) erleichtern Investitionen und Geschäftstätigkeit im nördlichsten Staat des Baltikums.

Lettland liegt in der Mitte der Baltischen Staaten. Es besitzt nicht nur drei bedeutendene Ostseehäfen, sondern auch ein dichtes Straßennetz mit guten Anbindungen an die Nachbarstaaten.

Litauen ist wichtiger Standort für verarbeitende Betriebe wie Möbelproduzenten, Maschinenbau, Chemie- und Textilindustrie. Mit 23,1% Anteil an der BIP-Entstehung ist die Industrie in Litauen weit bedeutender als in den meisten europäischen Volkswirtschaften. 

Estland

  • Fakten
  • Wirtschaft
  • Infrastruktur
  • Geschichte

Fakten

  • Einwohnerzahl: ca. 1,3 Mio. (2014)
  • Bevölkerungsdichte: 31 EW/km² (2015)
  • Landesfläche: ca. 45.227 km² (2017
  • Nachbarländer: Lettland, Russland, Finnland (Seeweg)
  • Geschäftssprachen: Estnisch, Englisch, Russisch, Finnisch, Deutsch
  • Hauptstadt: Tallinn – ca. 443.623 Einwohner
  • Währung: Euro seit 1.1.2011; zuvor Estnische Krone (EEK)
  • Regierungssystem: Parlamentarische Demokratie
  • Staatsoberhaupt: Präsidentin der Republik Kersti Kaljulaid, Amtsantritt 10.10.2016, am 03.10.2016 vom Parlament für eine fünfjährige Amtszeit gewählt
  • Regierungschef: Ministerpräsident Jüri Ratas (Zentrumspartei), Amtsantritt am 23. November 2016; nach Misstrauensvotum gegen vorherigen Ministerpräsident Taavi Rõivas (Reformpartei)
  • Parlament: Einkammerparlament „Riigikogu“, 101 Abgeordnete

Wirtschaft

  • BIP: 2015: 20,5; 2016: 21,2; 2017: 22,3
  • Wirtschaftswachstum: 2015: 1,4 (Prognose: 2016: 1,1 (Prognose: 2016: 1,1, 2017: 2,3; 2018: 2,6) • Inflationsrate: 0,8 % (2016)
  • Investitionsquote 2015: 24,6 (Prognose: 2016: 24,0; 2017: 23,6)
  • Staatsverschuldung 2015: 10,1 (Prognose: 2016: 9,4; 2017: 9,5)
  • Arbeitslosenquote 2015: 6,1% (Prognose: 2016: 5,57 %; 2017: 5,52 %)
  • Einfuhr 2015: 13,1 Mrd. EUR
  • Ausfuhr 2015: 11,6 Mrd. EUR
  • Außenhandelsquote 2015: 120,7
  • Exportquote 2015: 56,8
  • Ease of Doing Business Index 2016: 12. von 190 evaluierten Staaten (D:17)
  • Global Competitiveness Index 2016-2017: 30. von 138 evaluierten Staaten (D:5)
  • Corruption Perception Index 2016: 22. von 176 evaluierten Staaten (D:10)

Deutschland war 2015 mit einem Anteil am Warenaustausch von 8% auf Rang vier der wichtigsten Handelspartner Estlands nach Finnland (16%), Schweden (19%), Lettland (10%) und Russland (8%). Deutschland ist nach Finnland zweitgrößter Lieferant für estnische Importe (12%).

Infrastruktur

Die baltische Schieneninfrastruktur wird massiv ausgebaut. Rail Baltica ist das größte Verkehrsprojekt in Nordost-Europa. Die alte Breitspur-Verbindung auf der Strecke Helsinki–Tallinn–Pärnu–Riga–Kaunas–Warschau wird durch ein modernes Normalspurnetz mit einer Länge von 728 km ersetzt.

Geschichte

In den Wirren des Zweiten Weltkrieges geriet Estland erst unter sowjetische, dann unter deutsche und schließlich erneut unter sowjetische Herrschaft. Als Teil der Sowjetunion wurde die Estnische SSR fortan durch den Kreml gesteuert. Mehrere 10.000 Esten wurden von 1940 bis zum Tode Stalins deportiert - allein etwa 20.000 im März 1949. Es kam im Rahmen dieser Russifizierungspolitik Moskaus zur Ansiedlung von ca. 200.000 russischen Arbeitern, dies ist die Grundlage für die starke russische Minderheit im Lande.

1991 kam es zum Zerfall der UdSSR und im Rahmen der Singenden Revolution zur Gründung der zweiten Estnischen Republik. Seit dem 20. August 1991 ist Estland wieder offiziell unabhängig. Es folgen die Aufnahmen in UNO und Europarat, 2004 schließlich in EU und NATO. Seit 2011 ist Estland Teil der Eurozone.

Lettland

  • Fakten
  • Wirtschaft
  • Geschichte

Fakten

Mit 700.000 Einwohnern ist Lettlands Hauptstadt Riga die größte Metropole des Baltikums und gilt als wirtschaftliche und logistische Drehscheibe der Makroregion.

  • Einwohnerzahl: ca. 1,976 Mio. (2017)
  • Bevölkerungsdichte: 31 EW/km² (2015)
  • Nachbarländer: Litauen, Belarus, Estland, Russland
  • Geschäftssprachen: Lettisch, Englisch, Russisch, Deutsch
  • Landesfläche: 64.573 km² (entspricht in etwa der Fläche Bayerns)
  • Währung: Euro seit 1.1.2014; zuvor Lats (LVL) – Wechselkurs: 1 EUR = ca. 0,70 LVL
  • Die Verfassung Lettlands aus dem Jahre 1922 ist die älteste ost- oder mitteleuropäische Verfassung noch in Kraft und das sechstälteste noch gültige republikanische Grundgesetz der Welt.
  • Regierungssystem: Parlamentarische Demokratie
  • Staatsoberhaupt: Präsidentin Raimonds Vējonis (seit 8. Juli 2015)
  • Regierungschef: Maris Kucinskis (seit Februar 2016), Union der Grünen und Bauern
  • Parlament: Einkammerparlament „Saeima“, 100 Abgeordnete

Wirtschaft

Lettland ist seit dem Ende der hierzulande besonders stark wirkenden Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008 wieder rasant gewachsen - trotz einer der europaweit geringsten Staatsverschuldungsquoten von nur 36 %.

  • BIP 2015: 24,4 Mrd. EUR (Prognose: 2016: 25,3; 2017: 26,7)
  • Wirtschaftswachstum 2015: 2,7% (Prognosen: 2016: 1,9%; 2017: 2,8%, 2018: 3,0%)
  • Inflationsrate 2015: 0,2% (Prognose: 2016: -0,1%; 2017: 1,8%)
  • Investitionsquote 2015: 22,0% (Prognose: 2016: 21,6%; 2017: 22,2%)
  • Staatsverschuldung 2015: 36,3% (Prognose: 2016: 40,0%; 2017: 37,2%)
  • Arbeitslosenquote 2015: 9,9% (Prognose: 2016: 9,6%; 2017: 9,2%)
  • Einfuhr 2015: 12,9 Mrd. EUR
  • Ausfuhr 2015: 10,9 Mrd. EUR
  • Außenhandelsquote 2015: 97,5%
  • Exportquote 2015: 44,6%
  • Ease of Doing Business 2016: 14. von 190 evaluierten Staaten
  • Global Competitiveness Index 2016-2017: 49. von 138 evaluierten Staaten
  • Corruption Perception Index 2016: 44. von 176 evaluierten Staaten

Wirtschaftsaufschwung: Der aktuelle Staatshaushalt Lettlands hat im Jahr 2015 mit 1,3% das fünftkleinste Defizit in der EU, und die Staatsverschuldung ist im europäischen Vergleich die drittkleinste.

Lettlands Außenhandel ist stark auf den Ostseeraum ausgerichtet – 2014 hat das Land 61,2% seiner Einfuhr und 66,2% seiner Ausfuhr mit den anderen Anrainern abgewickelt. Deutschland liefert die zweitmeisten lettischen Importe (11,5%) nach dem Nachbarstaat Litauen (16,8%). Der größte baltische Staat führt auch die Exportabnehmer an (18,2%), gefolgt von Russland (11,5%) und dem nördlichen Nachbarn Estland (11,2%).

Geschichte

Mit dem Zweiten Weltkrieg endete die „deutsche“ Zeit Lettlands durch einen Umsiedlungsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Lettland. Fast 50.000 Deutschbalten wurden 1939 ins Reich „repatriiert“. 1940, unter Rückendeckung des Hitler-Stalin-Paktes, besetzten sowjetische Truppen Lettland. Infolgedessen wurden etwa 35.000 Letten nach Sibirien deportiert und der Rest der deutschen Minderheit umgesiedelt. 1941 wurde Lettland dann von der Wehrmacht besetzt. Die deutsche Besatzungsmacht rottete die jüdische Bevölkerung Lettlands fast vollständig aus und richtete zahlreiche Massaker an der Kollaboration mit der UdSSR verdächtigten Bevölkerungsteilen an. 1945 kehrte die russische Besatzungsmacht zurück und fuhr ihrerseits mit Deportationen, Inhaftierungen und Tötungen von Letten fort, was zu einer Flüchtlingswelle nach Deutschland oder Übersee führte. Der zweite Weltkrieg brachte gigantische demographische und politische Umwälzungen über das kleine Land.

Diese Umwälzungen setzten sich unter Sowjetherrschaft fort: Die UdSSR hatte das Ziel, die lettische Bevölkerung im eigenen Land zur Minderheit zu machen und verfolgte neben Massendeportationen eine intensive Russifizierung der Bevölkerung. Vor dem zweiten Weltkrieg lebten in Lettland 77% Letten, 9% Russen, 5% Juden und 4% Deutsche; 1989, am Ende der Sowjetherrschaft waren es 52% Letten, 34% Russen, 0,1% Deutsche sowie Juden.

1990 erklärte Lettland nach der „Singenden Revolution“ seine Unabhängigkeit für wiederhergestellt. 1991 erkannte die UdSSR die Unabhängigkeit der Baltischen Staaten an. Lettland durchlebte eine schwierige Transformations- und Findungsphase, doch gelang im Laufe der 90er Jahre ein wirtschaftlicher Aufschwung und eine erfolgreiche Demokratisierung. 2004 wurde Lettland EU- und NATO-Mitglied, und der Lats wurde 2014 vom Euro als Währung abgelöst.

Litauen

  • Fakten
  • Wirtschaft
  • Geschichte

Fakten

Die Republik Litauen hat ca. 3 Mio. Einwohner und umfasst als größter der baltischen Staaten mit 65.300 km² in etwa eine Fläche von der Größe Bayerns.

  • Bevölkerungsdichte: 44,4 EW/km² (Prognose 2016)
  • Nachbarländer: Lettland, Belarus, Polen, Russland (Kaliningrader Gebiet)
  • Geschäftssprachen: Litauisch, Englisch, Russisch, Deutsch
  • Hauptstadt: Vilnius (dt. Wilna) – ca.530.000 EW
  • Währung: Euro seit 1.1.2015; zuvor Litas (LTL) – Wechselkurs: 1 EUR = ca. 3,45 LTL

Litauen ist eine Parlamentarische Demokratie, allerdings liegen insbesondere in der Außenpolitik die Kompetenzen in den Händen der Staatspräsidentin.

  • Staatsoberhaupt: Präsidentin Dalia Grybauskaitė (seit 12.Juli 2009; Wiederwahl im Mai 2014)
  • Regierungschef: Saulius Skvernelis, parteilos, Ministerpräsident der Republik Litauen seit 22. November 2016
  • Parlament: Einkammerparlament „Seimas“, 141 Abgeordnete

Wirtschaft

Die litauische Volkswirtschaft wächst deutlich stärker als EU oder Eurogruppe im Durchschnitt: 2017 wächst das BIP voraussichtlich um 2,7% auf 40,9 Mrd. EUR.

  • BIP 2015: 37,2 Mrd. EUR (Prognose: 2016: 38,9 Mrd. EUR; 2017: 40,9 Mrd. EUR)
  • Wirtschaftswachstum 2015: 1,6% (Prognose: 2016: 2,8%; 2017: 3,1%)
  • Inflationsrate 2015: -0,7% (Prognose: 2016: 0,7%; 2017: 1,7%)
  • Investitionsquote 2015: 18,4 (Prognose: 2016: 17,7%; 2017: 18,9%)
  • Staatsverschuldung 2015: 42,7% (Prognose: 2016: 40,8%; 2017: 43,3%)
  • Arbeitslosenquote 2015: 9,1% (Prognose: 2016: 7,6%; 2017: 7,4%)
  • Einfuhr 2015: 25,4 Mrd. EUR
  • Ausfuhr 2015: 23,0 Mrd. EUR
  • Außenhandelsquote 2015: 130,1%
  • Exportquote 2015: 61,8%
  • Ease of Doing Business Index 2016: 21. von 190 evaluierten Staaten
  • Global Competitiveness Index 2016-2017: 35. von 138 evaluierten Staaten
  • Corruption Perception Index 2016: 38. von 176 evaluierten Staaten

Litauen ist stark in die regionale Arbeitsteilung integriert und von hoher Bedeutung für die gesamte Makroregion. Besonders günstig für die Volkswirtschaft wirken sich die geographische Lage sowie das günstige Preis-Leistungsverhältnis aus.

Auf Staaten gerechnet ist Russland Litauens bedeutendster Handelspartner, der sowohl beim Export (13,7%) als auch am Import (16,3%) 2015 den höchsten Anteil hatte. Aus Deutschland kamen etwa 11,5% aller litauischen Einfuhren, was Rang zwei entspricht. Bei den Ausfuhren war Deutschland mit 7,9% der viertwichtigste Abnehmer nach Russland, Lettland, Estland und Polen.

Geschichte

Die Schwächung des Zarenreiches im Ersten Weltkrieg führte im Februar 1918 – unter deutscher Besatzung – zur Ausrufung der unabhängigen Republik Litauen mit der Hauptstadt Kaunas. Die 1922 neu eingerichtete parlamentarische Demokratie wurde wenige Jahre später durch den Putsch von Antanas Smetona beseitigt. Er regierte diktatorisch bis 1940, als die Sowjetunion den Beitritt Litauens in die UdSSR erzwang. Im Sommer 1941 besetzten Truppen der deutschen Wehrmacht in einem Blitzkrieg das litauische Staatsgebiet, und die Nazis ermordeten bis Kriegsende ca. 90% der jüdischen Bevölkerung des Landes. 1944 kehrte die Rote Armee zurück und errichtete erneut die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik. Bis Ende des Jahrzehnts erstickte Stalin brutal den Widerstand gegen die Sowjetherrschaft.

Im Rahmen der Perestroika erklärte sich Litauen 1990 zum souveränen Staat. Am 13. Januar 1991, dem sogenannten Vilniusser Blutsonntag (lit. Sausio įvykiai), versuchten pro-sowjetische Militärs erfolglos, die junge Demokratie zu stürzen. 14 jugendliche Demonstranten wurden am Vilniusser Fernsehturm von Panzern zermalmt. In Reaktion darauf erklärten 85% der Litauer am 8. Februar 1991 in einer Volksabstimmung ihre Zustimmung zur Unabhängigkeit. Im August 1991 erkannten die Länder des Westens die Unabhängigkeit der baltischen Staaten an.

Nach anfänglicher Wirtschaftskrise und politischer Instabilität aufgrund der rapiden Transformation der Wirtschaft gewann die Reformpolitik zunehmend an Dynamik, insbesondere nach Überwindung der Russland-Krise im Jahre 2000. Die Republik Litauen wurde 2004 Mitglied von Europäischer Union und NATO, 2007 ist das Land Teil des Schengener Raums. Mit Beginn des Jahres 2015 wurde in Litauen der Euro als Währung eingeführt.