Konjunkturumfrage: Baltische Staaten sind am attraktivsten für Investitionen

Estland ist für Unternehmen aus anderen mittel- und osteuropäischen Ländern (CEE) erstmals der beste Standort für Investitionen in CEE. Laut der jährlichen Unternehmensumfrage, die von 16 AHKs in Mittel- und Osteuropa durchgeführt wurde, überholt Estland in diesem Jahr nicht nur Polen, sondern übernimmt auch den ersten Platz der Tschechischen Republik, die lange Zeit der Favorit für Investitionen in CEE war. Lettland und Litauen gehören ebenfalls zu den Top-Ländern für CEE-Investitionen. Lettland blieb das sechste Jahr in Folge auf dem sechsten Platz und Litauen konnte ebenfalls seinen siebten Platz vom Vorjahr halten.

Düstere Zeiten? 

In Litauen ist die Einschätzung der aktuellen Situation ähnlich wie im Jahr zuvor. Auch wenn der Anteil der Umfrageteilnehmer im Vergleich zum letzten Jahr etwas gesunken ist, sind immer noch mehr als die Hälfte - 61 Prozent - der Meinung, dass die aktuelle wirtschaftliche Situation Litauens gut ist. Die restlichen 39 Prozent beurteilen die Lage als zufriedenstellend. In Lettland fällt die Einschätzung der aktuellen Situation besser aus als im Vorjahr. Etwa ein Drittel bewertet die aktuelle Konjunkturlage als gut, für die Mehrheit (63 Prozent) jedoch ist die Situation nur zufriedenstellend. In Estland ist es ähnlich wie ein Jahr zuvor. Die eine Hälfte – 49 Prozent -empfindet die Situation für gut, während die andere Hälfte der Teilnehmer – 51 Prozent – diese für zufriedenstellend hält. 

In Bezug auf die wirtschaftliche Situation in den drei baltischen Staaten werden die Wachstumsaussichten trüber. Bei der Beantwortung der Frage „Wie beurteilen Sie die wirtschaftlichen Aussichten des Landes in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr?“ waren die baltischen Unternehmen wesentlich vorsichtiger und weniger optimistisch als im letzten Jahr - die Zahl derer, die glauben, dass das laufende Jahr besser sein wird als das letzte in Litauen, Lettland und Estland  ist um mehr als 20 Prozentpunkte zurückgegangen.

Während im vergangenen Jahr 41 Prozent der Ansicht waren, dass sich die wirtschaftliche Lage in Estland verbessern würde, sank die Zahl in diesem Jahr auf 14 Prozent. In Litauen glaubten im Jahr 2018 noch 55 Prozent, dass sich die wirtschaftliche Situation in Litauen verbessern würde. In diesem Jahr ging die Zahl auf 33 Prozent zurück. Noch immer glaubt die Mehrheit (60 Prozent), dass sich die Situation nicht ändern wird. In Lettland antworteten im vergangenen Jahr 47 Prozent, dass sich die Wirtschaftslage in Lettland verbessern würde, in diesem Jahr waren nur noch 33 Prozent dieser Ansicht.

Verbesserungen bei den Standortfaktoren

Die Umfrage analysiert außerdem 21 Faktoren, die für Unternehmen bei Standortentscheidungen, weiteren Investitionen usw. von Bedeutung sind. Die Umfrage zeigt, dass sich die meisten Indikatoren verbessert haben und es keine größeren Rückgänge gibt. Dennoch sind einige Tendenzen besorgniserregend. Zu beachten ist beispielsweise, dass sich die Rechtssicherheit im Vergleich zum Vorjahr in allen drei Ländern verschlechtert hat.  

Die Produktivität steigt nicht mit dem Gehalt

In den letzten Jahren gab die Lage auf dem Arbeitsmarkt Anlass zur Sorge. Dieses Jahr ist davon keine Ausnahme. In unserer Umfrage hatten wir mehrere Fragen, die sich speziell auf das Thema Arbeit konzentrieren.  

Wir fragten was bedeutet der Fachkräftemangel für Unternehmen. In Litauen stimmen 4 von 5 Teilnehmern darin überein, dass der Mangel an Fachkräften zu einem Anstieg der Arbeitskosten führen wird. Mehr als die Hälfte ist der Ansicht, dass dies eine Beeinträchtigung der laufenden Produktions- /Servicetätigkeit und die Ablehnung zusätzlicher Aufträge zur Folge haben wird. Fast die Hälfte prognostiziert eine Reduzierung der geplanten Investitionsabsichten. In Estland gaben fast 40 Prozent an, dass der Mangel an Fachkräften die Ablehnung zusätzlicher Aufträge bedeuten wird. Nahezu der gleiche Anteil prognostizierte daher eine Reduzierung der geplanten Investitionsabsichten. Auch in Lettland stimmen 57 Prozent zu, dass der Mangel an Fachkräften zu einem Anstieg der Arbeitskosten führen wird. 39 Prozent sind der Meinung, dass dies eine Beeinträchtigung der aktuellen Produktions- / Dienstleistungstätigkeit bedeuten wird.

Dies bedeutet, dass der Fachkräftemangel eine ernsthafte Einschränkung für das künftige Wachstum darstellt. Der weiterhin hohe Anstieg der Arbeitskosten wirkt sich zudem nachteilig auf die Attraktivität der Standorte für weitere Investitionen aus.

Trotz vorsichtigerer Prognosen für das weitere Wirtschaftswachstum ist das erwartete Wachstum der Arbeitskosten der Unternehmer in den baltischen Staaten immer noch sehr hoch. Als eine Lösung des Problems würden baltische Unternehmen (Litauen 66 Prozent, Estland 58 Prozent und Lettland 44 Prozent) eine Initiative zur kontrollierten Migration, auch für gering qualifizierte Arbeitskräfte, unterstützen.

Wieder investieren

Eine überwältigende Mehrheit – 93 Prozent – der in Litauen tätigen Unternehmen gab an, das Land heute wieder als Investitionsstandort zu wählen. Dies entspricht 3 Prozentpunkten mehr als im Vorjahr. In Estland gaben 86 Prozent an, dass sie Estland auch heute wieder als Investitionsstandort wählen würden. In Lettland waren es 62 Prozent.

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