AHK-Konjunkturumfrage 2018: Gute Bewertung für Standort Lettland

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Unternehmer in Lettland sind insgesamt zufrieden mit dem Standort Lettland, bewerten jedoch wichtige Standortkriterien schlechter als im Vorjahr. Das ist das Ergebnis einer Konjunkturumfrage der deutschen Auslandshandelskammern, darunter der Deutsch-Baltischen Handelskammer (AHK), bei 1700 Unternehmen in 21 Ländern Mittel-, Ost- und Nordosteuropas sowie in China.

Bei 13 von 21 abgefragten Rahmenbedingungen schneidet Lettland schlechter ab als im Vorjahr. Besonders schlecht bewerten die Investoren das Steuersystem und die Korruptionsbekämpfung, auch die Produktivität oder die Transparenz der Vergabe öffentlicher Aufträge wird schlechter eingeschätzt als im Vorjahr. Nur drei Faktoren werden verbessert eingeschätzt von den befragten Unternehmen, der Zugang zu öffentlichen Fördergeldern, das Berufsbildungssystem und die Verfügbarkeit von Fachkräften. Gleichbleibend gut eingeschätzt werden die universitäre Ausbildung und die Zahlungsdisziplin. Das ergab die Befragung von 78 im Land tätigen Unternehmen. Insgesamt nahmen 1698 Unternehmen an der Befragung teil. Im Standort-Ranking der befragten Unternehmen aus allen 21 Ländern hält Lettland einen guten 6. Platz, einen Platz besser als die befragten Unternehmen in Lettland den Standort einstufen.

„Das ist ein Wake-Up-Call“ meint der geschäftsführende Vorstand der Deutsch-Baltischen Handelskammer Florian Schröder. „Laut der Befragung hat sich Lettland in 13 von 21 Standortfaktoren verschlechtert, besonders beim Steuersystem, der Korruptionsbekämpfung und der Produktivität. Lettland darf nicht weiter zurückfallen. Im Ausland genießt Lettland noch einen guten Ruf, aber es ist zu befürchten, dass dies nicht so bleibt, wenn die genannten Kriterien nicht verbessert werden. Das zeigt besonders der Vergleich zu den Nachbarn Estland und Litauen. Die Regierung sollte die verbleibende Zeit nutzen, um gegen Korruption im Bankensektor, aber auch anderen Wirtschaftsbereichen durchzugreifen.“

Laut der AHK-Umfrage sind 83 % der Unternehmen mit der aktuellen Wirtschaftslage in Lettland zufrieden (23 % finden sie gut; 60 % befriedigend). 47 % bewerten die aktuelle Wirtschaftslage besser als im Vorjahr, was einem Plus von 9 % gegenüber 2017 entspricht. Nur 12 % erwarten eine Verschlechterung der Lage.

62 % der Unternehmen erwarten steigende Umsätze, letztes Jahr hatten noch 80% mit Wachstum gerechnet. Auch die Steigerung der Exportaktivitäten verzeichnet einen Verlust von 16 Prozentpunkten zum Vorjahr – einen Rückgang erwartet kein einziges Unternehmen. 43 % der Teilnehmer plant 2018 mehr Arbeitskräfte einzustellen und gut die Hälfte (49 %) beabsichtigt 2018 noch mehr in Lettland zu investieren, nur 7% wollen dieses Jahr weniger Geld in die Hand nehmen.

Bei 14 von 21 abgefragten Standortfaktoren liegt Lettland über dem Durchschnitt aller 21 Länder. Besonders positiv bewerten die Befragten im Vergleich die Qualität der lokalen Zulieferer, Arbeitskosten, die Zahlungsdisziplin und das Hochschulsystem. Schwachpunkte im internationalen Vergleich sind die Bekämpfung von Korruption und das Steuersystem.

Die Steuerreform wird größtenteils negativ beurteilt. Nur 14 % der Unternehmen sind der Umfrage zu Folge zufrieden mit den Änderungen, fast die Hälfte (44 %) ist unzufrieden.

Der Erhebung zu Folge erwarten die Unternehmen ein deutliches Ansteigen der Lohnkosten um durchschnittlich 11 %, was als angemessene Aufbesserung eingeschätzt wird, denn die Lohnkosten werden gut bewertet, besser als der Durchschnitt der 21 Standorte.

Kryptowährungen steht die Mehrheit der Befragten kritisch gegenüber. 54 % halten sie für riskant und fragwürdig, lediglich 7 % können sich den Einsatz von Bitcoin vorstellen.

Laut der Umfrageergebnisse würden sich zwei von drei Unternehmen (64 %) wieder für Lettland als Investitionsstandort entscheiden.

Auffallend: Neben Kroatien ist Lettland das einzige teilnehmende Land, das von den im Lande ansässigen befragten Unternehmen kritischer bewertet wird als von den Befragten in den anderen Ländern. Die Antwortenden in Litauen (Platz 7) und Estland (Platz 3) sehen ihren Standort an erster Stelle.

78 Unternehmen nahmen an der Umfrage im Zeitraum Februar-März 2018 teil.

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