Arbeitgeberverband-Chef: Estland stärker auf Zuwanderung angewiesen

Estlands Arbeitgeberverband fordert von der Regierung in Tallinn eine Zuwanderungspolitik, die sich am Arbeitsmarkt orientiert. "Wir müssen etwas unternehmen, um unsere chronischen Probleme des Arbeitskräftemangels, der Alterung der Bevölkerung und des Exodus junge kluger Menschen zu lösen", schrieb Verbandpräsident Toomas Tamsar zu Jahresbeginn in einem Gastbeitrag für die estnische Tageszeitung "Postimees".

Nach seiner Einschätzung gebe es in Estland derzeit rund 13 000 freie Stellen gibt, von denen die meisten mit ausländischen Arbeitnehmern besetzt werden könnten. Dadurch könnten Steuereinnahmen erzielt werden, mit denen die Probleme im Sozial- und Gesundheitswesen angegangen werden könnten. Auch könnten bestehende Engpässe im Kultur- und Bildungsbereich gelöst werden.

Ausländischen Arbeitskräften Zugang zum estnischen Arbeitsmarkt zu gewähren, sie einzustellen und eine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen, sei ein "sehr emotionales Thema", räumte Tamsaar ein. Die wirtschaftliche Entwicklung Estlands habe jedoch einen Punkt erreicht hat, an dem die Grenzen für Arbeitsmigraten nicht mehr geschlossen bleiben könnten.

Der Politik müsse schnell klar werden, dass Estland Zuwanderung brauche. Nichtstun und die Beibehaltung des bestehenden Quotensystems seien keine Wahl ist, da sich die Situation nur weiter verschlechtert. Die Einwanderungspolitik müsse rasch reformiert werden, forderte Tamsar. Ansonsten verliere Estland jährlich bis zu 10 000 Menschen im erwerbsfähigen Alter und könne die alternde Gesellschaft nicht mehr aus Steuereinnahmen versorgen.

In Estland gibt es eine gesetzlich geregelte Einwanderungsquote für Nicht-EU-Bürger - sie beträgt 0,1 Prozent der ständigen Bevölkerung des Baltenstaat. Trotz Ausnahmen für bestimmte Sektoren war die Quote 2017 bereits im August erschöpft. Wiederholt wurde daher seitens der Wirtschaft Änderungen angemahnt.

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