Im Rückblick auf die 2013 begonnene deutsch-lettische Zusammenarbeit im Bereich der beruflichen Bildung teilten sowohl Ramona Neuse, Vertreterin des DLR-Projektträgers in Deutschland, als auch Dagnija Vanaga, Direktorin des Rigaer Staatlichen Technikums, die Leiterin der Abteilung für Wirtschaft, Laila Umbraško, sowie die Absolventin des VETnet-Programms „Logistikspezialist“, Evija Ēce, ihre Erinnerungen und Erkenntnisse.
Ausgehend von den Ergebnissen der Teilnehmerbefragung sowie den Erkenntnissen aus den Studienreisen nach Deutschland und Lettland zur Bewertung von Ausbildungsunternehmen erörterten die Vertreter der Branchenexpertenräte (SEC) der Holz- und Landwirtschaftsbranche, I. Erele und A. Vītoliņš, sowie die Koordinatorin der Branchenexpertenräte des Arbeitgeberverbandes LDDK, A. Būmane, die Bedeutung und Notwendigkeit entsprechender Bewertungsmechanismen. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung stellten A. Friedrich von der Handwerkskammer Südthüringen und M. Kamann, Leiter des BANG Vocational Education Network, die Unterschiede zwischen klassischen und innovativen Ansätzen der beruflichen Ausbildung in Deutschland dar. J. Gaigals wandte sich seinerseits in einer Videobotschaft an die Anwesenden und regte zum Nachdenken über die strategische Bedeutung der SEC und deren Rolle in Lettland auf dem Weg zu Exzellenz in der beruflichen Bildung an.
Über Exzellenz in der beruflichen Bildung sprach die ehemalige Direktorin des Technikums Ogre, I. Brante. L. Riba, Vertreterin des Technikums Valmiera, stellte ihre Sichtweise auf die Herausforderungen im Zusammenhang mit demografischen Tendenzen und dem Fachkräftemangel in Lettland dar. Über den Verlauf und die Schlussfolgerungen der Pilotstudie zum regionalen Fachkräftebedarf in den Bereichen Landwirtschaft und Metallverarbeitung sprachen die Vertreterinnen des industriellen Technikums Latgale, A. Lāčauniece und V. Ančevska, sowie T. Grinfelds, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Maschinenbau- und Metallverarbeitungsindustrie.
In allen Diskussionen und Beiträgen herrscht Einigkeit darüber, dass die Fähigkeit aller Beteiligten zur Zusammenarbeit derzeit zu einem entscheidenden Faktor für die Qualität der beruflichen Bildung und die Ausbildung künftiger Fachkräfte wird. Es ist auch wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Zahl der Jugendlichen abnimmt, weshalb individuelle Ansätze erforderlich sind, ohne dass jemand zurückbleibt und ohne die Erwachsenen zu vergessen, die sich umschulen könnten.
Auf die Fragen „Welche Bedeutung hat die internationale Zusammenarbeit für die Entwicklung der beruflichen Bildung? Was kann Deutschland von Lettland lernen? / Was kann Lettland von Deutschland lernen?“ „Welche Botschaft möchten Sie jungen Menschen vermitteln, die sich für eine berufliche Ausbildung entscheiden?“, antworteten A. Hochradel und I. Buligina, Expertin der Abteilung für berufliche und Erwachsenenbildung des Bildungsministeriums, im Hinblick auf die bilaterale Zusammenarbeit.
Herr Hochradel betont insbesondere, dass die deutsch-lettische Zusammenarbeit im Bereich der beruflichen Bildung bereits 2013 mit echtem Vertrauen, einer echten Partnerschaft und praktischem Engagement begonnen hat. Das deutsche Bildungsmodell lässt sich in Lettland nicht eins zu eins kopieren. Um es an die heutigen Anforderungen und die Möglichkeiten des Landes anzupassen, müssen Interesse und Engagement von den beteiligten Seiten kommen – von Schulen, Betrieben, Verwaltungen, Sozialpartnern und vielen engagierten Einzelpersonen. VETNET war der erste große Schritt, um Bildungskomponenten, die in Deutschland funktionieren, auch bei uns in Lettland zu erproben. Es war eine herausfordernde, aber sehr erfolgreiche und wertvolle Erfahrung. Der Berufsbildungspreis und VET Excellence waren ein Mittel, um all jenen zu danken, die sich an diesen Veränderungen beteiligen. Im Rahmen des Projekts SEC_pLus hatten die Vertreter der Branchenräte in diesen zwei Jahren die Möglichkeit, die Themen und Ideen, die mit der Qualität der beruflichen Bildung, der Mobilität, der Nachhaltigkeit sowie der Verantwortung der beteiligten Akteure zusammenhängen, noch intensiver zu reflektieren, zu analysieren und weiterzuentwickeln.
I. Bečere, Vorstandsvorsitzende des lettischen Verbandes der Druckunternehmen und Vorsitzende des Branchenexpertenrats für Druck- und Medientechnologie, stellten den Anwesenden die am Vortag während der Konferenz der Branchenexpertenräte und des Projekts SEC_pLus mit der LEGO Serious Play-Methode erarbeiteten Zukunftsmodelle für die berufliche Bildung vor.
Auch hier zeigte sich der gemeinsame Wunsch, den Dialog zwischen Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Lokalregierungen und deren Institutionen zu stärken sowie an einem System zu arbeiten, das nachhaltige Mechanismen für die Einbindung von Unternehmern in die Planung und Umsetzung der beruflichen Bildung vorsieht.
Ein besonderer Dank gilt I. Zitmanis, Leiter der Abteilung für berufliche Bildung und Erwachsenenbildung des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Republik Lettland, Herrn A. Hochradel, Referent für internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), sowie Herrn J. Šnakšis, Direktor der Abteilung für Strategie, Wissen und Klima des Ministeriums für Landwirtschaft der Republik Lettland.
Für die wertvolle Unterstützung, das außerordentliche Engagement und die stets konstruktive Zusammenarbeit während der vergangenen zwei Jahre sowie für ihre Anwesenheit bei der Abschlusskonferenz sprechen wir ihnen und den Mitarbeitenden der vertretenen Institutionen unseren herzlichen Dank aus.
Vom 1. Juni 2024 bis zum 31. Mai 2026 führte die Deutsch-Baltische Handelskammer (AHK) in Lettland das Projekt „ SEC-pLus – Starke Berufsausbildung durch starke Branchenexpertenräte“ durch. Ziel des Projekts war es, die lettischen sektoralen Expertenräte (SEC) zu einem wirksamen Governance-Instrument für die Beteiligung der Wirtschafts- und Sozialpartner in der Berufsbildung in Lettland auszubauen. Damit sollen Qualität und Arbeitsmarktrelevanz der Berufsbildung nachhaltig gesichert werden. Die Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und staatlichen Institutionen werden befähigt, unterschiedliche Interessen zu vertreten und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Anhand von ausgewählten SECs aus der Holzindustrie, der Metallverarbeitung und der Landwirtschaft werden drei Handlungsfelder (Qualifikationsrahmen, Eignungsfeststellung von Ausbildungsbetrieben und Prognose des Auszubildendenbedarfs) bearbeitet. Es werden entsprechende Handlungsempfehlungen erarbeitet und auf weitere SEC übertragen.
Das Projekt wurde als Verbundprojekt in Zusammenarbeit zwischen der AHK und der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) mit Unterstützung der Handwerkskammer Südthüringen durchgeführt. Die gemeinsamen Aktivitäten des Projekts wurden von der AHK koordiniert.
Die wichtigsten Kooperationspartner in Lettland waren der Lettische Arbeitgeberverband, der Kooperationsrat der Landwirtschaftsverbände, die Branchenverbände sowie Berufsbildungseinrichtungen.